Reverse Engineering

Wie ein Objekt zu einer bearbeitbaren Datei wird

Der Scan gibt Ihnen die Form eines Objekts. Er gibt Ihnen kein Modell, das Sie ändern können. Diese beiden Dinge werden ständig verwechselt, und das wird teuer.

Fragt jemand „können Sie das scannen und mir die Datei geben“, ist die richtige nächste Frage, was mit der Datei danach passieren soll. Diese Antwort entscheidet, welche Arbeit wirklich nötig ist.

Eine Mesh: die Form, wie sie ist

Ein Scan erzeugt ein Netz aus Dreiecken, das die Oberfläche exakt so beschreibt, wie sie ist, Kratzer, Verschleiß und kleine Fehler eingeschlossen. Als Datei: STL oder OBJ.

Reicht, wenn: Sie dasselbe Objekt neu drucken, archivieren oder jemandem zeigen möchten. Der Objektscan endet hier.

Reicht nicht, wenn: Sie die Wandstärke ändern, ein Loch erweitern oder das Teil an eine Folgeversion anpassen möchten. Eine Mesh hat keinen „Lochdurchmesser“. Sie hat ein paar Hundert Dreiecke, die zufällig einen Kreis bilden.

Ein CAD-Modell: die Form mit ihrer Logik

Hier wird das Objekt als Parameter neu gezeichnet: dieser Zylinder ist ein Zylinder, dieser Radius ist ein Radius, dieses Loch ist ein 8-mm-Loch. Als Datei: STEP.

Nötig, wenn: das Teil in die Fertigung geht, geändert werden muss, an jemand anderen zur Weiterarbeit übergeben wird, oder wenn Toleranzen zählen. Reverse Engineering ist genau diese Arbeit.

Faustregel: Nutzt danach eine Maschine die Datei, reicht eine Mesh. Nutzt sie danach ein Mensch, braucht es CAD.

Warum CAD mehr kostet

Weil es kein Scannen ist, sondern technisches Zeichnen. Der Scanner liefert das Rohmaterial; danach setzt sich jemand hin und entscheidet, Fläche für Fläche, was es eigentlich sein sollte. Diese verschlissene Kante war ursprünglich scharf. Diese Fläche sollte eben sein. Diese beiden Löcher sollten fluchten und tun es nicht, weil sich das Teil verzogen hat.

Ein Scan beginnt bei €120; ein CAD-Modell kostet €85/Std ab €250. Der Unterschied ist keine Abzocke. Das eine dauert eine Stunde, das andere einen Tag. Die Zahlen stehen in der Preisliste.

Was Sie mir sagen sollten

Was nicht geht

Glänzende, schwarze, transparente und behaarte Oberflächen lassen sich nicht präzise scannen. Das ist Physik, keine Grenze der Maschine. Diese Objekte lassen sich meist trotzdem behandeln, aber das braucht Vorbereitung, und die wird vorher vereinbart, nicht steht sie plötzlich auf der Rechnung.

Dasselbe gilt für Ersatzteile, bei denen das Original abgebrochen ist: Die fehlende Hälfte muss neu modelliert werden, und das ist CAD-Arbeit, kein Scan.

Schicken Sie ein Foto und sagen Sie, was Sie mit der Datei vorhaben. Ich sage Ihnen, was Sie wirklich brauchen.

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